Die Wahrnehmung

 

Wer meine Arbeit kennt, weiß dass die Wahrnehmung im Grunde meine Arbeit ausmacht.

Wer mich privat kennt, weiß dass sie nicht nur meine Arbeit ausmacht.

 

Was ist Wahrnehmung? Wie nehmen wir wahr? Mit unseren 5 Sinnen können wir riechen, schmecken, hören, sehen und taktile Reize, wie Wärme, Kälte, Druck und Berührung spüren. Diese 5 Sinne agieren auf einer eher physiologischen Ebene, die gut mess- und nachvollziehbar ist.  Mit ihnen erfahren wir einen Großteil unserer Mitwelt, womit ich unsere Umwelt meine. Sie sind überwiegend darauf ausgerichtet, was um uns herum passiert.

 

Ein 6. Sinn, der uns allen innewohnt, der alle anderen mit einbezieht und von dem wir in meinen Augen Teil sind, erweitert das Spektrum des Erfahrbaren um ein Weites. Die/der Wahrnehmende in uns, mit der/dem wir realisieren, dass wir sehen, schmecken, riechen, etc.

Wer ist das, die/der das Glück fühlt, welches Hand in Hand mit einem Kribbeln im Bauch einhergeht? Wer ist das die/der merkt, dass wir von hinten angeschaut werden? Wer ist das, die/der Stimmungen im Raum wahrnimmt, wenn wir auf eine Geburtstagsparty kommen?

 

Es scheint eine Instanz zu geben, aus der heraus wir alles erleben. Oder in der wir alles erleben?

Mit ihr fühlen wir unsere Gefühle, können unsere Gedanken wahrnehmen und empfinden Ahnungen, welche wir als Intuition oder Bauchgefühl beschreiben.

 

Wenn man sich Zeit nimmt und genauer betrachtet was alles wahrgenommen werden kann, wird man bei aufmerksamer Beobachtung merken, dass alles Teil der Wahrnehmung ist. ICH in meinem Körper, meine Atmung, meine Bewegungen, mein Denken, mein Fühlen, dein Lächeln, die Geschwindigkeit des Autos, das Licht der Sonne und die Träume...

Selbst das Wahrgenommene kann von der Wahrnehmung wiederum wahrgenommen werden. Ich kann wahrnehmen, dass ich wahrnehme. Also scheint sogar die Wahrnehmung an sich, sich selbst wahrzunehmen.

Das betrifft anscheinend nicht nur mein individuelles Erleben als Fedder Barth, ich bin mir aus verlässlichen Quellen meines Umfeldes sicher, dass das viele Mensch so oder so ähnlich erleben.

 

Ich schlussfolgere daraus, dass unsere Wahrnehmung die komplette Mitwelt miteinschließt. Da ich dich wahrnehmen kann und zugleich von dir und den anderen wahrgenommen werde, wage ich zu behaupten, dass alles was existiert wahrgenommen werden kann, wird und vermutlich auch selbst wahrnimmt. Zumindest solange es lebendig ist. Über das was lebendig ist und was nicht kann man natürlich streiten. Ich gehe davon aus, dass alles lebendig ist. Zudem scheint es dabei ganz egal zu sein, ob das, was wahrgenommen wird, sichtbar, greifbar, messbar oder auf sonstige Weise wissenschaftlich valide ist.

 

Wenn also alles Teil der Wahrnehmung ist und in ihr passiert, könnte man doch vermuten, dass die Wahrnehmung der Raum an sich ist, in dem alles existiert und durch, sowie in dem alles verbunden ist. Wenn dem so wäre, ist doch alles Teil dieses Raumes und wird von ihm durchdrungen. Sonst könnte ich doch nicht meine Gedanken und Gefühle in mir, also im physischen Körper, in den Zellen und vermutlich sogar zwischen diesen wahrnehmen. Ich kann ja schließlich in mich hinein spüren. Die Wahrnehmung nimmt also nicht nur alles um uns herum, sondern auch im aller Kleinsten in uns selbst wahr. Sie ist das Bindeglied (Verbundenheit) zwischen allen Dingen.

 

Warum spielt das meiner Meinung nach nicht nur eine große Rolle, sondern die Rolle für Therapie, Selbsterfahrung und das Leben an sich?

Um das zu beantworten sollte man sich erst einmal damit beschäftigen, was in Therapie und Selbsterfahrung zu einem sehr großen Teil passiert. Egal mit welcher Störung, Krankheit, welchem Symptom oder Thema man sich beschäftigt, es geht immer um Verbindung und Balance, bzw. Störungen dieser. Ein simples Beispiel dafür ist ein blockierter Wirbel. Die Segmente oberhalb der Blockade sind nicht mehr frei mit denen unterhalb der Blockade verbunden. Sie können nicht mehr frei miteinander, also in Verbundenheit, agieren. Es gibt also im "verbundenen Einssein" der Wirbelsäule eine Irritation, die zu Dysbalancen und negativer Beeinflussung der Dynamik und Lebendigkeit führt. Auch der Fluss des Blutes und der Lymphe, sowie die Kommunikation der Zellen untereinander ist dann beeinträchtigt. Zum Ausdruck kann das dann in Form von Bewegungseinschränkungen, Schmerzen, geringerer Belastbarkeit, und auf psychischer Ebene zu Unwohlsein, schlechter Laune, Reizbarkeit, etc. führen.

 

Man kann also sehen, dass bei körperlichen Beschwerden, alle anderen Ebenen, wie Emotionen und Gedanken mit reagieren. Das passiert natürlich auch andersrum, bzw. meiner Erfahrung nach überwiegend. Wenn psychische Konflikte zu körperlichen Symptomen führen spricht man von Psychosomatik. Ich gehe davon aus, dass die Blockade eines Wirbels, wie oben beschrieben, Folge eines inneren Konfliktes oder Ungleichgewicht ist. Und was ist das Merkmal eines jeden Konflikts oder Ungleichgewicht? Eine Störung oder Abwesenheit von Verbindung.

 

Im Umkehrschluss kann man also sagen, dass Verbindung und Balance eine wesentliche Rolle bei der Gesundheit auf allen Ebenen spielen. In der Therapie geht es also darum Verbindung zu schaffen. Vor allem Verbindung in und zu sich selbst. Wenn ich meine Aufmerksamkeit nach innen richte, in Kontakt (Verbindung) mit meiner Trauer komme und diese in der Form zum Ausdruck bringen kann, wie sie (ich) es braucht (brauche), entsteht Bewegung, Dynamik, Lebendigkeit und Gesundheit. Wenn ein Außenstehender an diesem Prozess teilnimmt wird das in der Regel das Herz berühren, Mitgefühl wird frei und wiederum eine tiefere Verbindung zwischen den Menschen entsteht. Gesunde Beziehung kann gedeihen.

Was ich mit diesen Beispielen verdeutlichen möchte, ist, dass Verbindung zwischen allen Dingen und Ebenen eine sehr wesentliche Rolle im Krankheitsgeschehen und der Genesung spielt.

 

Und was schafft meinen Ausführungen nach in erster Linie Verbindung? Die Wahrnehmung, da sie die Verbindung selbst ist.

 

Die Wahrnehmung umschließt und durchdring also scheinbar alles. Sie scheint zwischen und in allen Dingen zu liegen. Und nicht nur das, bei all dem ist sie auch noch neutral. Ein neutraler Beobachter, der nicht wertet, einfach nur registriert und alles mit voller Aufmerksamkeit achtet.

Also, die Wahrnehmung verbindet alles und ist dabei auch noch neutral für alles und jeden. Es sind also genau die Eigenschaften, die die Liebe unter anderem ausmachen. Jedenfalls in meinem Erleben. Wenn man an sowas wie einen Gott oder großen Geist glaubt, könnte man denk ich auch "Ihm/ihr" diese Haltung zuschreiben...

 

Wenn ich mich im wahrnehmen "beübe", ist alles was ich dabei erlebe im ersten Moment, in dem meine Aufmerksamkeit es erfasst, neutral. In einer Millisekunde später schnappt mein Verstand sich das Wahrgenommene und fängt an es zu kategorisieren, zu bewerten, analysieren und in irgendeine Schublade und vermeintliche Ordnung zu packen. Dadurch wird den Dingen die neutrale Offenheit entzogen. Wenn ich aber immer wieder diesen kurzen Moment vorher erlebe, wo alle Dinge noch neutral zu sein scheinen, gibt es weder gut noch schlecht, schön noch hässlich, oder sonst eine Wertigkeit. Die Zeiten des wertfreien Erlebens sind demzufolge für viele von uns leider sehr knapp bemessen. Anhand dessen kann man sich des Ausmaßes der Identifikation mit dem Verstand und Ego deutlicher machen.

 

Was uns also von der neutralen Wahrnehmung ablenkt ist unser wertender Verstand.  Wenn ich diesen wiederum bewusst wahrnehme ist er ebenso im ersten Moment neutral, bis er sich dann selbst bewertet. ;-) Was für ein "Irrsinn". 

Aber für die Wahrnehmung ist er eben einfach der Verstand. Er macht halt einfach das was ein Verstand so macht. Das ist weder gut noch schlecht, es hat Folgen und Auswirkungen, die aber neutral wahrgenommen auch einfach nur das sind was sie sind. Vielleicht fühlen sie sich unangenehm oder sehr beschwingend an, aber auch das ist der Wahrnehmung völlig egal. Sie nimmt den Verstand wie er eben ist und so wird auch er Teil von Allem, und auch hier kann Verbindung entstehen. Auf diese Weise kann sich der Konflikt zwischen Verstand und beispielsweise der Gefühlswelt aufheben. So konträr sie auch manchmal zu sein scheinen, im Raum der Wahrnehmung finden sie zusammen einen Platz.

 

Ich möchte an dieser Stelle näher auf den therapeutischen Nutzen der Wahrnehmung eingehen. Das Feld der Wahrnehmung scheint, wie gesagt, alles zu verbinden, als willkommen zu achten und nicht zu bewerten. In meiner Realität also alles zu lieben. Es ist der Grund und Boden für Glück, Gesundheit, und in herausfordernden Situationen für Akzeptanz und Annahme des manchmal Nicht-veränderbaren. 

 

Ich gehe, aus meiner therapeutischen Erfahrung, wie gesagt davon aus, dass Symptome, Störungen und Unwohlsein durch Dysbalancen oder Verbindungsstörungen im menschlichen System und der Mitwelt entstehen. Der Zusammenschluss verschiedener Anteile, wie Körper-Geist-Seele, machen uns zu einem Ganzen, welches nicht nur in sich durch diese Anteile auf verschiedenste Art und Weise verbunden ist, sondern auch mit dem, was uns umgibt. Wenn in diesen komplexen Verbindungen Störungen entstehen ist das Ganze in seiner Ganzheit gestört. Die daraus resultierenden Symptome sind sehr vielfältig und drücken sich auf verschiedensten Ebenen über den Körper, das Fühlen, Denken, Verhalten, etc. aus.

 

Da sich all das gegenseitig bedingt und aufeinander reagiert, wird es immer schwerer den Körper getrennt von der Psyche zu betrachten.  Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es für ein gesundes Wohlbefinden und ein Gefühl des "Im-Kontakt-Seins" mit sich und dem Leben, in erster Linie Verbindung braucht und diese im Idealfall in Balance.  Es gibt meines Erachtens nur einen Raum, in dem all unsere Anteile des Erlebens sich treffen, und das ist der der Wahrnehmung. Für mich ist es der Raum, in dem alles ist. Ebenso der Raum zwischen den Teilchen, mit denen sich die Quantenphysik beschäftigt.

 

Zudem kommt begünstigend, dass wer sich im Wahrnehmen beübt, zum Zeitpunkt der bewussten Wahrnehmung immer im Hier-und-Jetzt ist. Woanders und wann anders kann sie nicht stattfinden. Ich kann nicht schonmal für morgen wahrnehmen. Ich kann mir morgen vorstellen, aber diese Vorstellung wird von der morgigen Realität abweichen. Die- oder derjenige, der wahrnimmt ist immer in und bei sich, da das Wahrnehmen immer nur in uns im Körper möglich ist.

So setzten sich die Menschen auf der ganzen Welt seit Jahrtausenden aufs Meditationskissen, um sich wahrzunehmen, um verbunden und so gesund und glücklich wie es als Mensch nur geht zu sein.

 

Für mich wird immer deutlicher, dass Ich als Fedder zum einen wahrnehme und mich zum anderen der Wahrnehmung hingebe, mehr mit ihr Eins werde und dadurch mehr Verbindung und auch Liebe erfahre. Da ich also nicht nur wahrnehme, sondern auch bewusster Teilnehmer dessen bin, erscheint es mir doch am wahrscheinlichsten, dass ich auch von etwas anderem außer uns wahrgenommen werde. :-)